
"Das kalifornische Küstenstädtchen Bodega Bay will Geburtstag feiern, als es von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird. Ein Schiff wurde einst ins Verderben gelockt, um Gold für die Stadtgründung einzuheimsen, hundert Jahre später kehren die rachsüchtigen Opfer von damals inmitten eines mysteriösen Nebels zurück. Über die subversive politische Dimension des Sujets von THE FOG braucht man (kurz nach der Zweihundertjahrfeier der USA) kein Wort zu verlieren – das tut Carpenter auch nicht. Stattdessen baut er mit seinem bevorzugten Kameramann Dean Cundey ein atmosphärisch überwältigendes Schauerstück, das klassische Qualitäten wiederbelebt. Zu Beginn gibt es ein Poe-Zitat und eine herrlich dargebotene Lagerfeuer-Gruselgeschichte, dann wird das superbe Schauspieler*innenensemble in sich steigernden Suspense-Szenen mit einem Grauen konfrontiert, das die subtile Bedrohung der RKO-Horrorklassiker von Val Lewton souverän ins Schocker-Kino der 1980er überführt." Christoph Huber, Filmmuseum Wien (2025)
"Inhaltlich kann man THE FOG direkt nach Carpenters Durchbruch mit dem Megaerfolg von "Halloween" gleichermaßen als Weiterentwicklung wie auch als bewussten Rückschritt oder eher als 'Rückbesinnung' betrachten. Die Idee des Nebels, der in das Küstenstädtchen wabert, greift das Bild der bösen allgegenwärtigen Präsenz aus dem Vorgänger auf – es gibt zu Beginn eine Abfolge von statischen Stadtimpressionen, die sehr an die Schlussmontage von "Halloween" erinnert –, treibt sie auf die Spitze, indem sie sie nun gänzlich entpersonalisiert. Das heißt: nicht ganz. Hier hier kommt nämlich der 'traditionalistische' Aspekt des Films zum Tragen, der das grundlose Morden eines Michael Myers' wieder mit einer Motivation auflädt. THE FOG erzählt eine Geschichte, wie man sie auch in den EC-Comics lesen konnte: Ein in der Vergangenheit liegendes Verbrechen wird in der Gegenwart bitter bestraft, es gibt eine 'Moral', die man mitnehmen und vielleicht sogar auf die USA insgesamt übertragen kann. Die Menschen im Städtchen Antonio Bay, in dem der Film spielt, müssen nämlich anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Ortes feststellen, dass ihr verehrter Gründervater ein skrupelloser Mörder war, der die Errichtung der Stadt mit blutigem Geld bezahlte. Leicht lässt sich hier die Brücke zu den Erkenntnissen des Westerns schlagen, der in seinen pessimistischeren (oder besser: realistischeren) Vertretern auch immer wieder betont hat, dass die stolze Nation auf Leichen errichtet wurde." Oliver Nöding, Remember it for later (2015)
"THE FOG will disappoint those expecting a re-run of the creepy scares from "Halloween". Instead, expanding enormously on the fantasy elements of his earlier films, Carpenter has turned in a full-scale thriller of the supernatural, as a sinister fog bank comes rolling in off the sea to take revenge on the smug little town of Antonio Bay, N. Calif. No shotguns pumping; no prowling of dark corners; no tricksy dry-ice chills. Instead you'll find a masterful simplicity of style, a lonely and determined group of characters under siege, and a childlike sense of brooding fear that almost disappeared in the '70s. Carpenter's confidence is outrageous; the range of his models even more so (from Poe to RKO); and the achievement is all his own, despite ragged moments and occasional hesitations." Time Out Film Guide
USA 1980
Regie: John Carpenter
90 Min.
Sprache: Englisch
DCP
FSK 16
THE FOG – NEBEL DES GRAUENS bei Letterboxd
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