
"Unglaublicherweise dauert PERSONA bloss 83 Minuten, obschon Sie vielleicht ein halbes Leben brauchen werden, um darüber hinwegzukommen, und mit seiner zersplitterten Erzählweise (einmal zerspringt das Bild tatsächlich unter der Belastung) und seinen modernistischen Strategien lässt dieser Film die meisten anderen Streifen, die Sie sich am Freitagabend ansehen – sei es in einem donnernden Multiplex oder im örtlichen Arthouse-Kino, wenn Sie eins haben –, träge und zerdehnt aussehen, altmodisch und gefährlich risikolos" Anthony Lane, The New Yorker (2018)
"Zwei Frauen in einer und zwei Filme in einem: Eine Krankenschwester soll eine Schauspielerin, die auf der Bühne unvermittelt aus ihrer Rolle gefallen und seither verstummt ist, in einem Landhaus am Meer betreuen. Die Krankenschwester kuschelt sich vertrauensselig plappernd ins geheimnisvolle Lächeln ihrer Patientin ein, gesteht ihr ihre intimsten Geheimnisse und wird in der Traumdämmerung einer schwedischen Sommernacht wortwörtlich von ihr vereinnahmt. Dann kommt der Verrat: ein mokanter Brief, in dem die Schauspielerin ihrer Ärztin vom Plappermaul berichtet. Die Krankenschwester liest ihn, und damit beginnt der Film neu: als Vertreibung aus dem Paradies, als Rachefeldzug der Gekränkten, die ihrer Dämonin zusetzt, bis diese schreit.
PERSONA ist beides: ganz einfach und unendlich schwierig, vollkommen transparent und absolut rätselhaft. Die Interpretationen des Films füllen Bände, die Faszination bleibt. Nur Bergman konnte es fertigbringen, Bibi Andersson und Liv Ullmann, seine verflossene und seine damalige Geliebte, so symbiotisch verschmelzen zu lassen. Der Dialog- und Bildermagier auf dem Gipfel seiner Kunst." Andreas Furler, Filmpodium (2007)
"PERSONA war ein echter Fortschritt, so herausfordernd für filmische Traditionen wie "À bout de souffle", "L’année dernière à Marienbad", Vardas Werk oder Antonionis Trilogie. ... PERSONA spielte in einer Welt, die zersplittert, in der Gott tot ist und die menschliche Subjektivität unfassbar. Er beginnt mit einer der erstaunlichsten filmischen Traumsequenzen überhaupt: Vor weissem Hintergrund sehen wir den Tod eines Schafes, seine Eingeweide; wir sehen ins Innere eines Projektors, ein Nagel wird in eine Hand geschlagen, ein tropfender Wasserhahn, ein klingelndes Telefon, ein Junge liegt auf einem Schragen. Sechs Minuten davon, dann die flimmernden Filmtitel, dann die Geschichte. ... Die Schauspielerin wird zu einer stummen Leinwand, auf die die Krankenschwester ihre Gedanken projiziert. Schliesslich überschneiden sich ihre Identitäten. Dann der Schock. Der Film bricht zusammen und scheint dabei eine Reihe von Bildern 'freizusetzen', die er verdrängt hat ... . Bergman hat das Theater gegen eine psychoanalytische Metapher für das Kino eingetauscht. Der Bildstreifen ist eine reine Oberfläche des Bewussten, durch welche farcenhafte, gewalttätige und verstörende Bilder des Unbewussten brechen. Kein Regisseur jener Zeit hat die Struktur des Films expliziter auf die Struktur und Funktionsweise der menschlichen Psyche bezogen." Mark Cousins, The Story of Film (2020)
• Regie: Ingmar Bergman
• Schweden 1966
• Sprache: Schwedisch
• 83 Min.
• DCP
• FSK 12
• PERSONA bei Letterboxd
• Infos zu Altersfreigaben & Deskriptoren: www.fsk.de