DIE KATZE

Check-in! Hotels im Film #05

Die beiden Kleinkriminellen Junghein und Britz versuchen, eine Bank in Düsseldorf auszurauben und die Dinge gehen schief. Sie entscheiden, die Bankangestellten für 3 Millionen Mark als Geiseln zu nehmen. Die Polizei versucht sie zu überlisten, bis sie bemerken, dass das tatsächliche kriminelle Mastermind von außen die ganze Show kontrolliert.

"Man ging ins Kino und kam heraus und lebte plötzlich in einem Land, wo man kraftvoll erzählen konnte, …jedes Bild spitze aussah. … Man kam raus in eine Bundesrepublik, die plötzlich zu sich gefunden hatte." Olaf Möller

"DIE KATZE wurde ein großer Publikumserfolg und hätte eigentlich eine ganze Welle von harten, verschwitzten, aufgeheizten deutschen Crime-Filmen lostreten müssen, aber natürlich passierte – nichts. Dabei hatte Graf nicht nur gezeigt, wie das gehen kann, deutsches Thrillerkino, sondern auch, wie man es mit ausgesprochenem Stilbewusstsein und ureigener Identität auf die Leinwand bringt. Wie man die Vorbilder aus den USA und aus Frankreich honoriert, ohne sie nachzuäffen. Die Düsseldorfer Immermannstraße und vor allem die metallisch glänzende, dekonstruktivistisch verwinkelten Fassaden des auch heute noch existierenden Hotel Nikko und des Deutsch-Japanischen Centers, sind eine ideale Kulisse für den bis zum Bersten aufgeladenen Stoff, verkörpern den oberflächlichen Materialismus, dem die Protagonisten verzweifelt hinterherrennen, während die dunklen Innenräume des Hotels, in denen sich Mastermind Probek (Götz George) verschanzt hat, mit ihren erdigen Farben gleichermaßen das Bedürfnis nach Geborgenheit wie auch die Unfähigkeit, diese überhaupt noch zuzulassen, widerspiegeln.
Das ist ja – neben der arschtighten Inszenierung des Geiseldramas und der polizeilichen Intervenierungsversuche (die Entdeckung des Films: Joachim Kemmer als Einsatzleiter Voss) – die eigentliche Höchstleistung von Graf: Wie er eine Geschichte über hilflose Seelenkrüppel erzählt und diese in einen Heist-Movie faltet, das als äußere Entsprechung des inneren Tumults fungiert." Oliver Nöding, Remember it for later (2015)

"'In zwei Stunden ist da unten Krieg.' So lautet der erste Satz in einem Film, der stilvoll, temporeich und voller überraschender Wedungen ist. Dominik Grafs Thriller schrieb nicht zuletzt deshalb Kinogeschichte, weil das bundesdeutsche Kino an herausragenden Werken bettelarm war – und ist. Der Regisseur ist selbst ein scharfer Kritiker der Produktionsbedingungen von Kino und Fernsehen Made in Germany. Über die Jahrzehnte seines Schaffens hat Graf einerseits Kompromisse gemacht, andererseits zu überraschen gewusst. DIE KATZE ist eine solche Überraschung. 25 Jahre nach Erstaufführung kann das vom Neo Noir französischer Prägung inspirierte Werk stets überzeugen. Eingangs lässt es an Sidney Lumets "Hundstage" denken – ein Banküberfall, eine Geiselnahme, eine sich hinziehende Belagerung durch die Polizei mit Wendungen am Rand der Absurdität. Aber DIE KATZE ist durch die Rolle Probeks, den Drahtzieher im Hotelzimmer gegenüber, ein Film, dessen Charaktere in völlig anderen Beziehungen zueinander stecken. Es ist ein Kunststück des Films, dass Uwe Erichsen – Autor der Romanvorlage Das Leben einer Katze (EA 1984) und neben Christoph Fromm auch Mitautor des Drehbuchs – sowie Regisseur Dominik Graf ihre minimalistischen Stilmittel so präzise einsetzen, dass der Zuschauer bald argwöhnen kann, dass zwischen Probek und Jutta Ehser nicht alles eitel Sonnenschein ist. Eine dunkle Vergangenheit und eine Femme fatale, die langsam aus tiefen Schatten des Films hervortaucht – das hat Wurzeln im Film-Noir-Kino, aber vor allem zeigt es Klasse. Die Zeichnung der Charaktere ist eindrücklich und die gemeinsam vorangetriebene Entwicklung in ihren Motiven glaubwürdig." der-film-noir.de

CREDITS

​deutsche Originalversion

• Regie: Dominik Graf
Deutschland 1988
118 Min.
• DCP
FSK 16
• Deskriptoren: www.fsk.de

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