GAVAGAI

"Dreharbeiten zu einer sehr freien Medea-Adaption in Westafrika, später Premiere in Berlin. Vor und hinter dieser Folie spielt sich ein Meta-Film ab, der in der europäischen Produktionslandschaft seinesgleichen sucht: sinnlich, sozial, interkulturell avanciert, poetisch, mutig. Im Zentrum der Inszenierung steht die fragile Liebesgeschichte der Hauptdarsteller, doch darüber hinaus reflektiert Regisseur Ulrich Köhler mit GAVAGAI (der Titel bezeichnet Unklarheiten kultureller Übersetzungen) über menschliche Beziehungen an sich, über Kommunikation und Existenz. Es ist seine intellektuell anregendste Arbeit bislang, philosophisch komplex und emotional eindringlich zugleich." Viennale 2025

"In Dakar, during the making of a modernist take on the Medea myth, fellow actors Maja and Nourou start an affair to ease the pressures on set and the piercing feelings of loneliness. Once the shoot is over, they meet again only for the premiere in Berlin – which turns into a disaster when the press questions the film projecting a European narrative onto a former colony.
The word 'gavagai' originates from a thought experiment by philosopher and logician W.V. Quine, who suggested that translation is inextricably tied to context – without it, everything can theoretically mean everything. Berlin School outlier Ulrich Köhler turns this idea into an essay on our modern society in which appearance is everything and all is ruled by the laws of clickbait. Köhler refuses to give into the laziness, frustration and anger that is so prevalent in today's media and art discourse. One of the most politically pertinent films of the year." Olaf Möller, International Film Festival Rotterdam 2026

"Als Sohn von Entwicklungshelfern verbrachte Ulrich Köhler Teile seiner Kindheit in Afrika. Diese Erfahrung prägt sein Kino bis heute. "Schlafkrankheit" erzählte von europäischer Überheblichkeit in Kamerun, von den Grauzonen zwischen Hilfe und Herrschaft. Nun kehrt Köhler nach Afrika zurück – nicht nur geografisch, sondern vor allem analytisch: Ihn interessieren diesmal die wechselseitige Ausbeutung und die feinen Machtspiele zwischen Begehren und Schuldgefühl.
In Senegal finden Dreharbeiten einer französischen Regisseurin statt, die den Medea-Mythos radikal umdeutet. Ihre Medea (Maren Eggert) wird von einem afrikanischen Stamm versklavt. Thronfolger Jason (Jean-Christophe Folly), Vater ihrer Kinder, verstößt sie. Gespielt werden die Rollen von Maja und Nourou, die jenseits des Sets eine Affäre haben. Als der Film dann in Berlin Premiere feiert, vertauschen sich ihre Rollen: Kunst und Leben beginnen ineinander überzugehen, Machtpositionen verschieben sich.
Köhler schaut genau auf diese Asymmetrien: wie Mythen gebändigt, kolonisiert werden – und wie Gefühle zur Währung geraten. Privilegien erscheinen so nicht stabil, sie verschieben sich je nach Kontext – und liberales Schuldgefühl kann, wenn es zu viel will, Ausgeschlossene noch weiter entfremden. GAVAGAI ist eine spielerische Topografie des Missverstehens: Begegnungen voller Rassismen und Anschuldigungen, durchbrochen von komischen Zwischentönen. Ein Film über das Rutschen der Bedeutungen – und vielleicht Köhlers bislang mutigste Analyse der Gegenwart." Around The World In 14 Films Filmfestival 2025

"Wie schon in "Schalfkrankheit" greift Ulrich Köhler auch in seinem neuen Film die Spannungen einer postkolonialen Welt auf. Köhler, der als Sohn von Entwicklungshelfern Teile seiner Kindheit in Zaire verbrachte, fokussiert mit analytischem Blick die Risse in den künstlerischen und menschlichen Verstrickungen, durch die Rassismen dringen. Nicht nur hinterfragen Journalist*innen die Motivation des Films auf der Pressekonferenz, auch in der Verbindung von Maja und Nourou spiegeln sich die Konflikte wider. Köhler verwebt geschickt die Ebenen aus emotionalen Bindungen, Produktionsbedingungen und dem 'Film im Film', der selbst Teil der Handlung wird und einnehmende Bilder liefert. Kunst und Leben verschwimmen, Privilegien und Machtpositionen verschieben sich, auf der Leinwand und im Leben. GAVAGAI blickt so verletzlich wie scharf auf die entstehenden Widersprüche und seine Figuren. Ein kluger, bildstarker Film über die Verschränkung und Brüchigkeit von Machtstrukturen und persönlichen Beziehungen." Clarissa Lempp, Indiekino

CREDITS

• Regie: Ulrich Köhler
• Deutschland, Frankreich 2025
• Sprache: Deutsch, Französisch, Englisch, Wolof 

89 Min.
• DCP
FSK 12

GAVAGAI bei Letterboxd
• Infos zu Altersfreigaben & Deskriptoren: www.fsk.de

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